Dienstag, 18. Dezember 2007

Sapmi - Lappland

Letzten Freitag machten sich ca. 45 furchtlose Erasmus-Studenten auf in den Norden des eh schon hohen Nordens. Ziel: Lappland - das hören die "Lappen" aber nicht gerne: Sie nennen sich Sami. Aber dazu später. Vorweg schon mal - was wir erlebt haben lässt sich kaum in Worte fassen, ich versuchs aber trotzdem.

Los gings mit dem Zug über Nacht nach Boden. Hätte eigentlich eine derbe Party im Zug erwartet und kein Schlaf, es hielt sich aber sehr in Grenzen und wir sind fit um sieben in Boden angekommen. Nach einem Frühstück ging es weiter mit dem Bus, den ersten kurzen Stopp legten wir am Polarkreis ein. Das Interessante dabei waren vor allem die Franzosen und Spanier, die nicht so viel Schnee gewohnt sind (es hatte dort ca. 40 cm...:-)).
Weiter ging es nach Jokkmokk, wo wir das Sami-Museum besuchten und den Besucherrekord im System Bolaget brachen.

Am Nachmittag besuchten wir eine Fotografin die extra nach Schweden gezogen ist, um Nordlichter zu fotografieren. Nordlichter - oder Aurora Borealis - entstehen wenn die Gase der Sonne mit dem Magnetfeld der Erde reagieren, das nahe den Polen besonders stark ist (Christoph bitte melden wenn das nicht so stimmt, aber ich habs so verstanden). Dabei entsteht dann grünes, blaues, gelbes ach, Licht in allen Farben das sich dann bewegt. Japaner glauben, dass wenn ein Kind unter Aurora Borealis gezeugt wird, wird es ein Genie. Anscheinend ist es auch sehr wichtig für sie, einmal im Leben die Nordlichter zu sehen.

Dann besuchten wir eine Sami Familie inklusive ihrer Rentiere. Mir hat eins aus der Hand gefressen, das war toll. Die Rentiere haben genau die richtige Größe für mich... viel kleiner als Kühe und Hirsche. Wir durften geräuchertes Rentierfleisch und eine Rentierbrühe probieren. Beides sehr gewöhnungsbedürftig, mir schmeckt das gebraten besser.
Mutter und Tochter Sami haben uns verschiedenes zu ihrer Kultur erklärt und erzählt wie es ist, als "moderner" Sami in Schweden zu leben. Sie sehen sich selbst zum Beispiel nur als Sami, nicht als Schweden. Hierbei muss ich vielleicht erwähnen, dass das Volk der Sami über Norwegen, Finnland, Schweden und Russland verstreut ist.

Im Hostel in Kiruna angekommen, haben wir unser 9er Zimmer bezogen und sind in die Sauna gesprungen, natürlich mit einem kühlen Bier - lecker.
Dann wurde gekocht und noch ein Bier in einer Bar getrunken und dann gings eh schon ins Bett. Am nächsten Tag hatten wir vormittags Zeit, Kiruna zu erkunden. Kiruna hat ca. 20 000 Einwohner, das Stadtgebiet ist allerdings größer als das von New York und ungefähr so groß wie Wales. Hier gibt es eine sehr schöne Holzkirche. Wir wollten auch reinschauen, aber die Messe hat gerade begonnen. Wir haben uns noch gewundert, warum die Polizei vor der Kirche Streife gefahren ist, später hat uns dann ein Schwede erzählt, dass der KÖNIG in der Messe war. Manno... aber naja, am Nachmittag wurden wir zum Hundeschlittenfahren abgeholt!
Das war super toll! Wir saßen jeweils zu viert auf einem Schlitten, und weil Madame Berchtold ja nicht die Größte ist, hat sie vorne sitzen dürfen!!! HAHA. Zwölf Hunde haben uns gezogen, es war eine super Erfahrung und wir haben einen tollen Sonnenuntergang gesehen. Halt! Sonnenuntergang? Nein nicht wirklich. Es gibt keinen Sonnenuntergang weil die Sonne gar nicht aufgeht! 4 Wochen im Jahr sehen die Menschen in Lappland die Sonne nicht. (Daher auch Winterdepressionen weil Vitamin D Mangel, weil der nur mit Sonne produziert werden kann).
Aber zurück zu den Hunden. Jaja die Schlawiner. Die haben dann manchmal auch gekackt und da wars dann teilweise gefährlich ganz vorne zu sitzen... Aber durch aerodynamisches Sitzverhalten ließ sich das Schlimmste verhindern. Pause mit starkem Kaffee vom Lagerfeuer im Samizelt - wir lernen einen ausgewanderten Deutschen kennen, der jetzt Hundeschlittenfahrten durchführt, dann geht es wieder zurück. Es war echt phänomenal.

Dann wieder in den Bus nach Abisko. Das ist ein Nationalpark in den Bergen nahe der norwegischen Grenze. Highlight war hier der Saunagang direkt am See. Gemeingefährlich war aber eher der Weg dorthin. Weil es für Lappland sehr warm war und getaut hat, wer der Weg sehr sehr sehr sau eisig und sehr nass - ich war jedenfalls froh, dass ich zwei Paar Schuhe dabei hatte. Mit Schnee abgekühlt und dann wieder zurück, immer den Blick gen Himmel ob wir nicht doch Glück haben und Nordlichter sehen. In der Gemeinschaftsküche wurde dann gekocht und tatsächlich: Ein Schrei und alle rennen zum Fenster beziehungsweise Schuhe und RAUS! Nordlichter!!! Das ist echt etwas Besonderes, ich glaub das vergess ich so schnell nicht. Es sieht so unwirklich aus irgendwie, wie in Science-Fiction Filmen. Toll. Es hat leider nur fünf Minuten gedauert, aber immerhin! Wir waren alle sehr happy, dass wir es überhaupt gesehen haben!

Da hab ich doch gleich mal zum Feiern das "Austrian Water" ausgepackt: Obstler. Nicht alle waren begeistert, ein Südafrikaner hat allerdings ziemlich angezogen :-)

Abfahrt am nächsten Morgen um 8:15 Uhr, für Eramus-Studenten mitten in der Nacht. In Lappland auch mitten in der Nacht weil es noch stockdunkel ist. Nächster Stopp: Icehotel Jukkasjärvi! Ein etwas überteuerter Eintrittspreis aber wat mut dat mut...
Drinnen war es lustigerweise kälter als draußen: Konstante Temperatur ist -5 Grad. Es gibt Designer Suiten und "Ordinary Room". Ab ca. 150 Euro pro Person ist man dabei. Die Designerzimmer sind sehr sehr schön, die Designer kommen aus aller Welt und am Eingang steht immer eine Erklärung, welche Inspiration der Designer hatte. Die Künstler haben jeweils zwei Wochen Zeit "Ihr Zimmer" fertig zu machen, sie arbeiten in der Zeit oft 14 - 16 Stunden am Tag. Das Hotel ist noch nicht 100% fertig aber wir konnten in sehr viele DesignerZimmer schauen. Man schläft auf einem Holzrahmen mit Matratze, Rentierfell und Schlafsack. Sehr sehr witzig, die Badezimmer sind übrigens nicht aus Eis.

Die letzte Station auf unserem Lappland Trip war Gamla Lulea. Das ist ein Kirchenstädtchen, das heute Unesco geschützt ist. Es ist entstanden, weil die Leute früher von sehr weit her gekommen sind, um zu Kirche zu gehen. Die Schweden haben dann mit Kind, Kegel und sogar Tieren in den winzigen Cottages übernachtet.

Tja, dann ging es schon wieder nach Boden zum Zug. Der Selbstversuch zeigt: In eine 6-Personen-Kabine passen 36 Menschen, gestunken hat es allerdings als wären es 48.
Müde, aber glücklich und voll mit unglaublichen Bildern und Eindrücken sind wir am Dienstag morgen wieder in Stockholm angekommen. Obwohl es kaum Minustemperaturen hatte, war es trotzdem ein toller, phantastischer Trip, den ich so schnell nicht vergesse.

So, wem es jetzt noch nicht zuviel war mit lesen, hier gibts nochmal was auf die Augen...

Bis bald - schöne Grüße!

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Was für ein Wochenende...

Ich will ja nicht sagen, dass bis hier partymäßig noch nix los war, aber dieses Wochenende war mal ganz nach meinem Geschmack!

Donnerstag: Wir haben unsere letzte Prüfung und ich den Beginn meiner FERIEN gefeiert. Gemütliches Trinken mit Erstellung einer Choreographie zu Jingle Bells. W
ir sind so flexibel, dass wir diese zu jeder Version des Weihnachtsklassikers tanzen können!

Freitag: Mit der Gratiszeitung "Metro" können wir umsonst in Gröna Lund Tivoli rein. Das ist ein Vergnügungspark (so ähnlich wie der Prater). Kurz auf einen Glögg, auf den Schoß von "Tomte" und ins Lustiga Huset.
Durchnässt dann heim:

Good Bye Party in Riksten. Leider haben wir es mit unserer "Choreo" nicht unter die besten zwei bei der Mrs. Best Dancer geschafft. Auch sonst hab ich keinen Titel was aber gar nicht so schlimm ist, ich lass gerne anderen den Vortritt bei Kategorien wie: "Mr./Mrs. System Bolaget" oder "Mr./Mrs. Messiest Room". Es waren echt viele Leute da,
ein Mordsspaß und eine der besten Riksten Parties. Bett: 6 Uhr

Samstag: Letztes Mal Furtgehen mit Julie. Zuerst in eine Bar, dann weiter mit Marie, Marie und Wince. Wir gabeln mitten in der Stadt Agueda auf.
UND DANN PASSIERT ES: Eh boum, c´est le choc... Es kann einem in Stockholm passieren, ja es geht! Meinereiner hat fast vier Monate darauf gewartet: Ein cooler Club mit GUTER Musik!!! I love you Debaser. Das Grinsen aus meinem Gesicht war nicht mehr wegzukriegen und auch die eine Stunde anstehen war sofort vergessen. Tack so mycket, der beste Club Abend in Stockholm! Musik ist eben doch DER entscheidende Faktor. (schöne Grüße in Keller) Bett: 5:34 Uhr

Sonntag: Abschieds Dinner für Julie. Am Vorabend hat jeder Vorschläge gemacht, was er oder sie kochen könnte. Julie hat entschieden. Herausgekommen ist ein tolles Abendessen. Arianna hat den CommonRoom toll geschmückt und die Jungs sind in den Wald und haben einen Baum gefällt (wenn man die Benutzung des IKEA Brotmessers "Fällen" nennen kann). Es war ein richtig schöner, gemütlicher Abend mit Essen und Trinken aus Frankreich, Italien, Österreich und Schweden. Bett: 4:45 Uhr

Aber schaut Euch doch die Fotos an!

Donnerstag, 6. Dezember 2007

Kulinarisches...

An dieser Stelle möchte ich alle Leser auf eine kleine aber feine kulinarische Reise durch Schweden mitnehmen... Als erstes kommt dem ein oder anderen Leser vielleicht das smørrebröd in den Sinn. Leider muss ich hiermit alle enttäuschen. Das Wort ist nicht Schwedisch (meines Wissens dänisch??!). Hier gibt es aber das Pendant dazu smörgås - oder mehrere davon smörgåsar. Wörtlich übersetzt heißt das Butterbrot, was aber weitestgehend untertrieben ist. Meistens sind das Sandwiches in den verschiedensten Variationen (Schinken, Käse, Hähnencurrypampe etc.). Die tollsten kann man aber in kleinen Kaffees entdecken: das sind richtige kleine Kunstwerke mit Shrimps, Salat, Sauce und allem möglichen aufgetürmt, so dass man dafür schon Werkzeug braucht. Das Foto zeigt ein eher durchschnittliches smörgås.

Nun kommen wir zu etwas Deftigerem. Ihr kennt Sie wahrscheinlich alle von IK
EA: Ja! Köttbullar! (sprich: schöttbullar, Das Sch wird irgendwie wie etwas zwischen "ch" und "sch" ausgesprochen) Hierfür gibt es sehr viele verschiedene Ausdrücke im Deutschen, seien es Bulletten oder Fleischpflanzerl, am nähsten am Heimatdialekt wäre wohl "Fleischbolla". Selbige werden meist mit Kartoffeln in beliebiger Form, Soße und Preiselbeeren gegessen. Gibt es in jedem Supermarkt auch fertig zu kaufen, wobei hier enorme Qualitätsunterschiede feststellbar sind.

Natürlich gibt es hier auch viel Fisch, besonders Lachs ist beliebt. Rentier und E
lchfleisch sind dann schon etwas teurer und feiner. Fast immer gibt es Kartoffeln: z.B. Bakad potatis (Ofenkartoffel). Mir ist auch aufgefallen, dass die Schweden wohl auf Nudelsalat abfahren. Den gibt es überall, an jedem Salatbuffet, sogar in jedem fertig gemischten Salat, den man sich im Supermarkt oder in der Uni kaufen kann - und auch hier wieder in allen Variationen.

Doch genug - jetzt kommen wir zum Nachtisch - oder zur Fika: wir würde
n zur Fika wohl daheim "Kaffeeena" sagen. Ich habe irgendwo gelesen, dass Schweden den höchsten Pro-Kopf-Kaffeeverbrauch der Welt haben. Das liegt anscheinend daran, dass früher jeder in Schweden seinen eigenen Schnaps im Keller gebrannt hat. Irgendwann hat der Staat das dann verboten weil der Alkoholismus ein großes Problem wurde. Der Kaffee ist jetzt sozusagen die "Ersatzdroge". Dazu gibt es ALLES was das Herz begehrt: Riesige Muffins, warme Apfelkuchen (wie in Amerika) mit Vanillesoße, Schokoladenkuchen mit Sahne, Kokosbollar und natürlich: Kanelbullar! Das sind Zimtschnecken, die gibt es auch überall. siehe Foto.

So und wer nach dem Nachtisch noch einen Snack braucht: der Allerwelts-Snack schlechthin ist das Hot Dog. Wohl auch bekannt von IKEA, aber das gibts hier
wirklich an jeder Ecke und in den verschiedensten Formen: Kokt Korv (Gekocht, kleines eher süßliches Brot), Grillad (gleiches Brot, nur gegrillte Wurst), French Hot Dog (größeres, nicht süßes Brot), Chorizo. Mit Röstzwiebeln, Senf (ausgeprägte Senfkultur), Ketchup. klassischerweise. Aber es gibt natürlich auch Gurkenmus, Kartoffelpüree oder das ganze in einem "Tunnbröd": Heißt Fladenbrot gefüllt mit Wurst und Kartoffelpüree. Steht aber noch auf meiner Probierliste. Auf dem Foto seht ihr so einen Straßenstand, die sind ziemlich clever und bauen ihre Stände immer direkt vor den Diskotheken auf...

Ach und da es jetzt auf Weihnachten zugeht:

Glögg och Pepparkaka: So etwas ähnliches wie Glühwein ohne Wein(geschmack). Sausüß mit Mandeln und "Wiibärle". Dazu gibts die Pepparkaka (auch bei IKEA erhältlich :-) nein ich krieg keine Provision), die sind am ehesten vergleichbar mit Spekulatius. Außerdem verwenden die Schweden für ihre Backwaren gern Safran.
Speziell zu Weihnachten gibt es auch "Julmust" (Weihnachtsmost). Das schmeckt irgendwie wie eine Mischung aus Karamalz und Cola, nicht ganz mein Fall. Aber für die schlanke Linie gibts auch eine Light-Variante. Den Must gibt es auch im Sommer als Sommarmust, allerdings hab ich den nicht probiert und kann also auch nicht sagen, was da der Unterschied ist.

Ich hoffe Euch hat die kleine, aber feine kulinarische Reise durch Schweden gefallen... Bestellungen werden ab sofort angenommen ;-)
Schöne Grüße